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Ursula Greiss,
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Nordsee-Impressionen

Weiße, wollige Dolden träumen an goldenen Prielen,
und rispige Gräser umlispeln korallenfarbene Halme,
die das unendliche Watt in glutende Matten verwandeln.

Wellige Schatten huschen über die silbrige See hin,
und violettes Gewölk
segelt in Rosenhängen abendlich blühenden Himmels.

Schwärme schweigender Vögel schwingen sich über die Fläche,
als wären tausend ein Wesen,
als glitten sie gleichsam auf einem einzigen großen Paar Flügel.

Schaum säumt den düsteren Schlamm
zu scheinbar freundlichem Rande,
doch in dem gischtigen Schmuck hängt viel erloschenes Leben.
Erst wenn das Wasser zurückkommt,
den Schlick allmählich durchsickert,
treibt`s die verendeten Wesen im blasigen Weiß auf und nieder
wie leichte, verblichene Blumen.

Ruhe verharrt über allem wie der reglose Reiher am Ufer,
und die Seele glüht auf in der Stille
wie die Strahlen der Sonne im Wasser.

 

Alpensicht vor der Dämmerung

Der Erde vielfingrige Hand
klammert sich noch an den Tag!
Auf gletschert die Sehnsucht
in der schwindenden Helle,
die eben noch über ihr lag -
Das Licht schon auf der Flucht,
schaut noch einmal zurück
aus Augen meerblau - türkis -
Da fledermausflügelt die Dämmerung
schon um das Himmelsgewölbe,
gefräßig und ohne Blick -
Und die Erde verbirgt ihr Gesicht,
als eine erzgelbe Wand
die magische Stelle versiegelt,
an der sie der Engel verließ -

 

Mädchen auf der Brücke

Du kannst mit andern auf der Brücke stehen,
dasselbe Boot betrachten, das da einlief,
und bist doch abseits wie in jener Fremde,
aus der es eben an der Brück anlegt -
Sein dunkler Kiel trug es nicht her für dich,
rotgrüne Freude, sie erfaßt nicht dich,
nur weiße Trauer: wieder, wieder nicht -
Du könntest gehen, und du gehst doch nicht,
die Brücke noch mit ihnen verbindet dich -

 

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� Verlag junger Autoren 2002

 

 

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