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Silke O'Reilly; Fragment

Da war es wieder, das Lachen, ein düsteres, hysterisches und unfreies Lachen. Es hallte durch den Korridor, rieselte das Treppengeländer hinunter und rollte über den Flur, bis es zur Küche gelangte, wo es durch den schmalen Spalt unter der Tür hindurch kroch und sich wieder ausbreitete. Es füllte den Raum, wie es der Geruch von frisch gebackenem Apfelkuchen tut, der einen einhüllt in warme Zufriedenheit und Vorfreude. Nur, daß das Lachen den genau gegenteiligen Effekt hatte.

Anna zuckte zusammen. Die Temperatur in der Küche schien mit einem Mal um mehrerer Grade gesunken zu sein. Sie wischte auch mit dem Unterarm eine Haarsträhne aus dem Gesicht und hielt einen Augenblick inne. Sie hatte an der Spüle gestanden, um den Rest Abwasch vom Frühstück zu erledigen. Jetzt mußte sie nachdenken. So, wie sie es sich gedacht hatte, konnte sie nicht weitermachen. Das Lachen hatte den ganzen Tag verändert. Sie trocknete sich die Hände an dem blau karierten Handtuch ab und setzte sich an den Küchentisch, beide Hände flach auf die Tischplatte gelegt, als ob die ein Gewicht brauchte, damit sie nicht davon schwebte.
Sie würde also doch nicht ihren freien Nachmittag nehmen können; es hätte sie auch gewundert, wenn es diesmal geklappt hätte. Ihre Schwester würde eben warten müßen; sie hatte schon so lange gewartet, da kam es auf ein paar Tage mehr oder weniger auch nicht mehr an. Aber erstmal mußte sie sich umziehen. Sie sah auf ihr altes, graues Kleid mit der schmuddeligen Schürze hinab. Die Gesellschaft würde bald hier sein. Wie lange würde sie noch Zeit haben? Eine halbe, dreiviertel Stunde vielleicht? Sie horchte nach oben, aber dort war alles still. Theresa schien ihn in den Griff bekommen zu haben. Vielleicht würde es doch nicht so schlimm werden. Sie stand ächzend auf und öffnete vorsichtig die Küchentür. Wenn sie wenigstens ungesehen in ihr Zimmer gelangen könnte, bevor sie gerufen wurde. Schnell ging sie den Flur entlang. Das Mauerwerk war kalt und unfreundlich. Selbst Egberts eisiges Lachen war noch warm dagegen. Sie zog sich schnell um, einen schwarzen Rock, schwarze Bluse und feste Schuhe für den Fall, daß sie wieder hinaus mußte. Beim letzten Mal war sie so naß geworden, daß sie sich eine heftige Erkältung zugezogen hatte. Dann saß sie einfach nur still auf ihrem Bett und wartete.
Es dauert genau fünfundzwanzig Minuten, bevor sie die Autos die Auffahrt herauf kommen hörte. Kurze Zeit später ging die Türglocke. Sie sprang auf und lief zur Eingangstür, bevor Theresa Zeit hatte, von oben zu rufen. Sie betete, daß es nicht alle sein würden, die da draußen standen.

 

copyright by Silke O'Reilly

 

 

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